Heute, am Tag der Befreiung, stehen wir im Schatten der Geschichte – und im Licht einer Verantwortung, die daraus erwächst.
Der 8. Mai ist der Tag, an dem ein menschenverachtendes System zerbrach. Ein System, das Menschen entrechtete, entwürdigte, vernichtete. Der Zweite Weltkrieg war ein endloses Grauen: Erniedrigung, Verfolgung, Folter, Mord, Völkermord. Mehr als 60 Millionen Tote in Europa. Sechs Millionen ermordete Jüdinnen und Juden. Millionen Menschen ohne Heimat, ohne Familie, ohne Zukunft. Und hinter jeder Zahl steht ein Gesicht. Eine Stimme. Ein Leben, das ausgelöscht wurde.
Man kann diese Dimension kaum begreifen – aber man darf sie niemals vergessen.
Die Befreiung kam von außen. Von den Soldaten der Roten Armee, die einen ungeheuren Preis gezahlt haben. Russen, Ukrainer, Weißrussen und viele andere kämpften Seite an Seite. Mindestens 13 Millionen Soldaten und ebenso viele Zivilisten verloren ihr Leben. Die Befreiung kam vom Kampf der alliierten Soldaten und von mutigen Frauen und Männern der europäischen Widerstandsbewegungen. Sie haben unter Einsatz ihres Lebens das NS-Regime zu Fall gebracht. Ihr Opfer verpflichtet uns – gerade heute. Wir schulden ihnen Dank – einen Dank, der nie endet.
Der Tag der Befreiung lehrt uns: Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Er ist eine Entscheidung. Jeden Tag. Er braucht Mut. Er braucht Verantwortung. Er braucht Kraft, damit „Nie wieder“ nicht nur gesagt - sondern gelebt wird.