Gärtnern auf heimischer Scholle im Sommer

Gärtnern auf heimischer Scholle im Sommer

Gärtnern auf heimischer Scholle im Sommer  Tipps von Dipl. Gartenbau-Ingenieur Sigmar Wilhelm

Der Sommer im Garten ist eine Zeit, in der vom Hobbygärtner viel Umsicht und Aufmerksamkeit verlangt wird. Warum ist das so?

Ernte: Die Ernte im Obstgarten hat bereits Ende Mai mit den Erdbeeren begonnen, nachdem die Frühgemüseernte bereits im Gang ist. Weitere Obstarten schließen sich an. Die Johannisbeeren und die Kirschen reifen heran, die ersten Pflaumen sind im Juli reif und stellen bei entsprechender Sortenwahl ein abwechslungsreiches und zeitlich gestrecktes Sortiment für den Frischverzehr oder die Verarbeitung dar.

Für alle diese schmackhaften Früchte gilt: Der optimale Erntezeitpunkt ist zum großen Teil maßgeblich für den Geschmack und die Konsistenz. Ausfärbung, Druckfestigkeit und eine Kostprobe geben Aufschluss über den richtigen Erntezeitpunkt. Der Verwendungszweck spielt dabei ebenfalls eine Rolle. Für die Most- oder Weinherstellung ist die Vollreife ein Vorteil.

Die Ernte sollte bei allen oben genannten Weichobstarten möglichst innerhalb der kühleren Tageszeit erfolgen. Zu dieser Zeit pflückt es sich leichter, die Fruchtstiele lösen besser vom Ast bzw. Strauch und die Früchte haben eine straffere Konsistenz als in brütender Nachmittagshitze.

Die Ernte nasser Früchte sollte vermieden werden, weil sonst schneller Verderb droht.

Nach der Ernte kann man die ausgereiften Früchte im Kühlschrank für eine kurze Zeit aufbewahren. Zu beachten ist dabei, dass z. B. die Erdbeeren nicht nachreifen, sie gehören zu den nicht klimakterischen Früchten, die nach der Ernte nicht nachreifen. Sie werden also nicht süßer und weicher, wie wir es von den Äpfeln oder Birnen kennen.

Neben der Obst- und Gemüseernte gibt es natürlich noch einiges mehr zu tun. Dazu ein paar Hinweise und Tipps.

Bewässerung und Bodenbearbeitung: Die Bewässerung spielt in den Sommermonaten besonders unter den Standortbedingungen im Werderaner Raum eine große Rolle. Neben dem Bedarf der Pflanzen spielt der tägliche durchschnittliche Verdunstungsverlust in Höhe von 5 bis 6 mm in den Sommermonaten bei entsprechender Wetterlage eine wesentliche Rolle. Grundsätzlich gilt: Nur so viel Wasser wie nötig, nicht mehr! Luxusversorgung der Pflanzen bringt keinen Mehrertrag im Verhältnis zum Wasserverbrauch. Die Pflanzen dürfen natürlich nicht vertrocknen, doch die Wurzeln sollen das Wasser „suchen“ und aufnehmen, sodass die Versickerung verbunden mit Nährstoffauswaschung in den Untergrund vermieden wird.

 

Lieber durchdringend und weniger wässern als dauernd „herumzuplämpern“. Einfach einmal vor der Bewässerungsabsicht die Hand in den Boden stecken oder mit dem Spaten eine Probe nehmen und die Restfeuchte prüfen. Fühlt sich die Erde noch feucht an oder lässt sich zusammendrücken, muss nicht gegossen werden; ist sie trocken und zerbröselt, braucht die Pflanze Wasser.

Eine Abdeckung der Baumscheiben mit einer Mulchschicht vermindert die Verdunstung. Gewässert wird am besten mit einer Tropferanlage oder punktuell in einen Gießring, der etwas versetzt zum Stamm in Richtung Kronentraufe geformt wird.

Wer wässert, muss auch lockern. Neben der Unkrautbekämpfung wird durch eine flache Bodenbearbeitung mit Schuffel, Grubber oder Hacke die Verkrustung des Bodens vermieden. Damit werden die Kapillaren im Boden zerstört. Durch diese steigt die Feuchtigkeit an die Oberfläche, verdunstet und führt zu Wasserverlust. Gleichzeitig trägt die Lockerung zur notwendigen Bodenluft, die Einfluss auf das Pflanzenwachstum hat, bei.

Fruchtfolge: Was tun, wenn das Frühgemüse geerntet wurde und die Erdbeerernte abgeschlossen ist? – Auf der abgeernteten Fläche kann wieder neu gepflanzt werden. Nach den klassischen Frühgemüsearten, wie z. B. Salat, Kohlrabi, Lauchzwiebeln und frühem Blumenkohl kann eine Zweitfrucht angebaut werden. Dafür eignen sich z. B. Buschbohnen, bunte Salate, Zucchini, Steckzwiebeln (wenn noch durch Kühlschranklagerung vorhanden) und ein breites Sortiment Gemüsearten, die als Jungpflanzen in der Gärtnerei oder selbst gezogen zur Auswahl stehen. Damit wird der wertvolle Platz im Garten genutzt und Brachflächen vermieden.

Zu beachten ist dabei, dass das Gemüse in der Fruchtfolge nicht in der gleichen Pflanzenfamilie steht, sonst gibt es Nachbauprobleme. Ggf. kann man sich im Internet darüber informieren. Als Beispiel sei hier die Familie der Kreuzblütler genannt. Dazu gehören Kohlarten wie z. B. Kohlrabi und Blumenkohl sowie Weiß- und Rotkohl. Kartoffeln und Tomaten gehören zur Familie der Nachtschattengewächse. Hier ist eine Anbaupause in der Fruchtfolge von ca. 3 Jahren zu empfehlen. 

Bohnen eignen sich hervorragend als Folgefrucht. Sie können bis Ende Juni ins Beet, eine Anzucht in Multitopfpaletten oder kleinen Töpfen mit 3 bis 4 Körnern je Töpfchen ist zu empfehlen. Diese werden mit Vlies abgedeckt, dann kann die Bohnenfliege keinen Schaden anrichten. Als Leguminose sind die Bohnen in der Lage, mittels Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln den Stickstoff aus der Luft zu assimilieren. Darüber hinaus leisten sie einen Beitrag zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, indem die Pflanze nach dem Abernten in den Boden eingearbeitet wird (z. B. durch das Eingraben) und sind damit eine gute Vorfrucht für nachfolgende Kulturen.

Erdbeeren: Wenn die Absicht besteht, eigene Erdbeerpflanzen anzuziehen, dann erfolgt das über die Ableger der einjährigen Bestände. Dazu werden der Boden zwischen den Erdbeerreihen nach Ernteabschluss gelockert, gleichzeitig das Unkraut entfernt und eine leichte Düngergabe zur Unterstützung der Ablegerbildung ausgebracht. Anschließend wird gewässert. Das Laub wird nach der Entnahme der Ableger nicht zu tief abgeschnitten, um das Herz der Pflanzen nicht zu verletzen. Bei größeren Beständen kann das mittels hoch eingestelltem Rasenmäher erfolgen. Die Düngergabe erfolgt im Spätsommer zu zwei Dritteln des Jahresbedarfes und zu einem Drittel im Frühjahr des folgenden Jahres. Blaukorn ist geeignet, die Düngeempfehlung findet man auf der Verpackung.

Um möglichst bis zum 20. August (agrotechnischer Termin!) die Erdbeerpflanzung abzuschließen, können die jungen und leicht bewurzelten Ableger mit 3 bis 4 Laubblättern bereits im Juli von der Mutterpflanze getrennt werden, um sie in Multitopfpaletten oder kleine Töpfe zu pflanzen (pikieren). Blumenerde ist dafür geeignet. Die Pflanzen werden angegossen und an einem schattigen Platz abgestellt. Anfänglich ist tägliches Gießen notwendig, bis sich die Pflanzen stabilisiert und leistungsfähige Wurzeln entwickelt haben.

Sollten Erdbeeren direkt ohne das oben beschriebene Pikieren gepflanzt werden, dann verbleiben die Ableger an der Mutterpflanze bis sie für ein selbstständiges Wachstum im neuen Beet geeignet sind. Dazu sind Pflanzen mit mindestens 4 bis 5 Laubblättern und einem gut entwickelten Wurzelbart mit 4 bis 5 cm Länge optimal.

Die Pflanzung erfolgt in einen tiefgründig gelockerten Boden mit guter Humusversorgung durch reifen Kompost oder Pflanzenerde. Frischer Mist ist ungeeignet. Der Pflanzabstand sollte 60 bis 70 cm mal 30 cm betragen. Als Vorfrucht sind Kartoffeln aus phytosanitären Gründen nicht zu empfehlen.

Sommerblumen und Stauden: An einer Fülle bunter Blumen erfreut sich jeder gern. Der Grundstein wurde dafür bereits durch die Auswahl der Pflanzenarten und Sorten gelegt. Es führt an dieser Stelle zu weit, ins Detail zu gehen, dennoch gelten auch hier die grundsätzlichen Hinweise zu den Kultur- und Pflegemaßnahmen im Garten.

Liebhaber beachten den Försterschen Grundsatz: „Es wird durchgeblüht.“ Das gilt bereits für die Gartenplanung.

Für die jeweilige Pflanzenart sind Standortverhältnisse und Ansprüche an Kultur- und Pflegemaßnahmen zu beachten. Informationsquellen aller Art können hilfreiche Ratgeber sein.

 

Ein Tipp für Ihren Urlaub: Gärtnerinnen und Gärtner sollten nicht vergessen, eine zuverlässige Stellvertretung im Garten für die Zeit der Urlaubsreise zu organisieren.

Gute Erholung.

Ihr Gärtner

 

 

 

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